Atelier Günter Rocznik

„Die künstlerische Arbeit gibt Raum für neue Erfahrungen und lässt mich immer neue Wege finden. Die Sehnsucht, ohne Worte auszukommen, bringt mich in Zonen sinnlicher Wahrnehmung, wo sich die erkennende Seele tiefer und menschlicher ausdrückt als der Verstand“.

Günter Rocznik

Ausstellungskatalog 2004

I.  Frühe Arbeiten

Möbeldesign, Kunst-, Malautomat, Restaurierung (z.B. Christuskorpus Friedhof in Gleisenau)

II. T-SHIRTS UND ANDERE STOFFE ALS KUNSTOBJEKTE

Die T-Shirts aus Mittelamerika, vornehmlich Nicaragua, sind ein Spiegel des politischen und sozialen Zeitgeistes der 80er Jahre in der Region. Geht es am Anfang eher um die dokumentarische Präsentation der Stoffe, werden diese immer mehr zu Grundlage der bildnerischen Bearbeitung. Aus der Entfremdung entsteht eine neue Realität.

III: DIE FARBE „BLAU“ IN DER SEHNSUCHT

Ausgangspunkt ist das Experimentieren mit „Blau“ durch das Mischen verschiedener Farben und Substanzen. Es entstehen Landschaften, Portraits, Akte, die häufig in Textcollagen eingearbeitet sind und auch wieder übermalt werden. Die Botschaft tritt in den Hintergrund. Textfragmente treten in den Dialog mit der Farbe: „..als ich dich noch nicht liebte, schlief ich ein, wo ich mich auch hinlegte, aber jetzt, wo ich dich liebe, kann ich keine Ruhe finden..“

IV. DER SCHUH DER ROSA KLARMANN

Hier werden künstlerische, heimatkundliche und kulturhistorische Aspekte verbunden. Abgetragene Schuhe erzählen Geschichten, z.B. über Modestile und über das Leben ihrer Besitzer. Sie vermitteln durch ihr Aussehen Bilder, die beim Betrachter Geschichten anregen oder in Erinnerung bringen. Durch Archivierung, Verfremdung und künstlerische Gestaltung entstehen neue Modelle und andere Perspektiven.

V. ZEITREISE

Fundstücke, von Zeit und Klima geprägt, können viel erzählen. Ein Beispiel dieser Fundstücke waren für mich Dosen, die überall – zumindest vor Einführung des Dosenpfandes in Deutschland – mehr oder weniger achtlos weggeworfen wurden. Diese Gegenstände wurden i.d.R. plattgefahren (gequetscht) und durch Klima und Zeit verändert. Kein Fundstück gleicht dem anderen. Diese Überreste menschlicher Alltagskultur werden zum Zeugnis der Veränderbarkeit und zum stillen Zeugen der Zeit. Sie sind die Grundlage für meine reliefartigen Arbeiten. Sie werden mit dem Malgrund verbunden, bzw. eingearbeitet, sodass eine Art Einheit entsteht. Später folgt die farbliche Fassung. Die Auswahl erfolgt nach Ort und Zeit. So entstehen visuelle Bilder von gegenwärtigen und vergangenen Landschaften.

VI. SEHNSUCHT UND GLAUBE

Dieses Konzept wurde speziell für ein Ausstellungsprojekt (2007) in der Ukraine entwickelt, unterstützt von der damaligen Bundestagsvizepräsidentin und der Deutschen Botschaft in Kiew. Das Kreuz und der leidende Christus stehen für Hoffnung und Versöhnung, für Verständnis und Toleranz und für Gewaltlosigkeit und Vergebung. Das Kreuz wird zum Stellvertreter der leidenden Menschheit, des Elends und der Not. Es löst sich vom kirchlich verfassten Kontext und wird zur Metapher für Menschheitsfragen, für gesellschaftliche und politische Probleme. Es waren hauptsächlich Papierarbeiten, die mit der Post geschickt werden konnten. Die ukrainischen Zollbehörden verweigerten, trotz Intervention vor Ort, die Herausgabe. Die Ausstellung fand daraufhin in der Auferstehungskirche in Fürth statt.

VII. TRISTAN UND ISOLDE

In meiner Kindheit und Jugend, die ich in Bayreuth, einen Steinwurf vom Festspielhaus entfernt, verbrachte, waren häufig Sängerinnen, Musiker und Musikkritiker bei uns zu Hause eingemietet. Die unmittelbare Nähe zu „Wagner“ war in vielen Bereichen spürbar.  So verkörpert dieser Themenschwerpunkt eine Art „autobiografischer“ Malerei, die in vielen Bühnenbilder verarbeitet wurde. Diese Arbeiten wurden von einer befreundeten Galeristin vor Ort ausgestellt und fanden beim Publikum große Beachtung.

VIII. HINSCHAUEN-WEGSCHAUEN

Es sind Gemälde und Collagen zum Thema „Rechtsextremismus“. Propagandamaterial rechtsextremer Parteien und Verbänden werden z. T. übermalt und verfremdet. Der künstlerische Kontext verändert die Aussagen und gibt ihnen ein neues Gesicht. Aus der ursprünglichen Botschaft wird ein Appell an die Menschlichkeit.

IX. HAUTBILDER

Dies sind die intimsten Bilder, weil sie Teil des eigenen Körpers sind und aus der Konfrontation mit einem Krankheitprozess entstanden. Sie sind übermalt und von herkömmlicher Spachtelmasse kaum zu unterscheiden. Die Bilder wurden nur einmal öffentlich ausgestellt („Endstation Grenzerfahrung“, Neue Presse 10.10.13).

X. OBJEKTKUNST ZWISCHEN PLASTIK UND MALEREI

Ausgangspunkt ist eine Materialmontage auf einem stabilen Untergrund, eingearbeitet und gestaltet mit Spachtelmasse. Grelle Töne werden durch einen verdünnten Farbaufstrich, zart und detailliert wie ein Mikrokosmos, wieder überdeckt. Schicht für Schicht gelegte Farbschleier führen in die Tiefe des Raumes. Flüchtig wechselnde und variantenreiche Farbschattierungen entstehen und kommunizieren miteinander. Die Weiterentwicklung einer Form im Material und seiner Gestaltung machen das Verborgene sichtbar und das Sichtbare verborgen.

Galerie Zwischenraum20
Bismarckstr. 20
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